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Dachinspektion per Drohne statt Gerüst

Wann die Drohne am Dach das Gerüst ersetzt und wann nicht: was aus der Luft sichtbar ist, wo die Grenzen liegen, was Sie am Ende in der Hand halten.

Veröffentlicht am · 7 Min. Lesezeit · von Markus Linke

Die nützliche Frage lautet nicht «Drohne oder Gerüst», sondern «wofür». Ein Gerüst ist ein Arbeitsmittel, die Drohne ein Aufnahmemittel. Wer beides gegeneinander stellt, vergleicht Suchen mit Reparieren. Solange niemand weiss, wo am Dach etwas nicht stimmt, ist ein Aufbau rund um das ganze Gebäude ein teurer Weg, um eine Frage zu beantworten, die eine halbe Stunde Flugzeit ebenfalls beantwortet.

Dieser Beitrag sagt, was am Dach aus der Luft tatsächlich sichtbar wird, wo das Verfahren aufhört, welche rechtlichen Punkte in der Schweiz dazugehören und was am Ende bei Ihnen ankommt. Wie ein Auftrag abläuft und welche Objekte wir inspizieren, steht auf der Seite Drohneninspektion.

Senkrechte Ansicht eines Bauernhausdachs im texturierten 3D-Modell: geschlossene Ziegelfläche mit First, Kamin und Kehle, daneben ein eingestürzter Gebäudeteil mit freiliegendem Dachstuhl
Kein Routineauftrag, sondern die Schadenaufnahme eines eingestürzten Bauernhofs vom 1. August 2026 — die Erfassung ist dieselbe wie bei einer Dachkontrolle. Zu sehen sind die geschlossene Ziegelfläche mit First, Kamin und Kehle und daneben der eingestürzte Trakt mit freiliegendem Dachstuhl.

Was am Dach überhaupt zu sehen ist

Eine Dachbefliegung besteht aus zwei Teilen. Senkrechtbilder erfassen die Fläche vollständig und massstäblich, Schrägbilder zeigen alles, was hochkant steht: Aufkantungen, Kaminköpfe, Gauben, Attiken, Fassadenanschlüsse. Ein reines Senkrechtbild lässt genau diese Stellen im toten Winkel, und dort sitzen die Probleme häufig. Warum ein Senkrechtbild nicht alles zeigt, steht ausführlich unter Orthofoto.

Aus der Luft dokumentierbar sind unter anderem:

  • verschobene, gerissene oder fehlende Ziegel und Platten
  • Anschlüsse an Kamin, Dachfenster, Gauben und Nachbargebäude
  • Spenglerarbeiten, Kittfugen, Verblechungen und deren Verformungen
  • Dachrinnen, Einläufe und deren Verstopfung durch Laub oder Moos
  • Moos- und Bewuchszonen, Verschmutzung, Algenbildung
  • stehendes Wasser auf Flachdächern und die Lage der Pfützen nach Regen
  • Sturm-, Hagel- und Astschlagspuren nach einem Ereignis
  • Zustand und Befestigung von Aufbauten wie Lüftern, Antennen oder der Unterkonstruktion einer Photovoltaik-Anlage

Alles davon ist zunächst eine Auffälligkeit, kein Befund im gutachterlichen Sinn. Die Bewertung bleibt bei der Fachkraft. Wir ersetzen keinen Dachdecker und kein Gutachten, wir zeigen der Fachkraft, wohin sie schauen muss.

Vier Werkzeuge im Vergleich

| Zugang | Rüstaufwand | Was damit möglich ist | Was damit nicht geht | |---|---|---|---| | Drohne | Anfahrt, Sichtung, Start; kein Aufbau am Gebäude | vollständige Fläche in einem Durchgang, senkrecht und schräg, reproduzierbar, messbares Modell möglich | anfassen, klopfen, öffnen, arbeiten; Unterseiten und Innenräume | | Gerüst | Aufbau und Abbau über mehrere Tage, Bewilligung bei Nutzung von öffentlichem Grund | Nahsicht, Handproben, Reparatur, längeres Arbeiten an der Fläche | Fläche zeitnah und vollständig erfassen; kurzfristiger Einsatz | | Hubarbeitsbühne | Anfahrt, Aufstellfläche, Bedienperson | punktueller Nahzugang, kurze Eingriffe, gute Sicht auf einzelne Stellen | Zugang bei fehlender Aufstellfläche oder grosser Ausladung; flächige Erfassung | | Seilzugang | qualifiziertes Personal, Anschlagpunkte | Nahsicht und kleine Eingriffe an Steildach und Fassade ohne Aufbau | flächige, reproduzierbare Dokumentation in einem Durchgang |

Die wirtschaftliche Logik dahinter ist einfach, auch ohne dass wir hier Zahlen behaupten: Ein Gerüst ist der grössere Posten, weil es Material, Transport, Auf- und Abbau, Standzeit und oft eine Bewilligung erfordert. Die Drohne braucht davon nichts. Dafür kann das Gerüst etwas, das die Drohne prinzipiell nicht kann, nämlich Menschen und Werkzeug an die Fläche bringen. Die beiden konkurrieren also nur so lange, wie es um die reine Zustandsaufnahme geht.

Warum die Drohne bei grossen und steilen Dächern gewinnt

Für die Drohne skaliert die Fläche fast gratis: Ein doppelt so grosses Dach kostet vor allem doppelt so viele Bilder, nicht doppelt so viel Aufbau. Für Gerüst und Bühne wächst der Aufwand dagegen mit Umfang, Höhe und Zugänglichkeit. Dazu kommt die Sicherheit. Ein Steildach ohne Absturzsicherung zu begehen ist der teuerste und riskanteste Weg, um einen Schaden zu suchen, den man von aussen sehen kann.

Der zweite Vorteil ist die Wiederholbarkeit. Dieselbe Mission lässt sich Jahre später identisch fliegen. Zwei Datensätze im selben Koordinatensystem zeigen dann, ob sich eine Stelle verändert hat, statt dass zwei Erinnerungen gegeneinander stehen.

Warum das Gerüst trotzdem kommt

Sobald repariert wird, kommt es. Und wenn ohnehin eines steht, etwa bei einer Fassadensanierung, ist die Drohne kein Ersatz mehr, sondern nur noch die schnellere Dokumentation des Zustands vor und nach den Arbeiten.

Was die Drohne nicht kann

Der ehrliche Teil, und der wichtigste für Ihre Entscheidung:

  • Nichts unter der Oberfläche. Deckung, Lattung, Unterspannbahn, Dämmung und Tragwerk bleiben verborgen. Ob ein Ziegel nur verschoben oder gebrochen ist, lässt sich oft, ob er lose sitzt, nie aus der Luft beurteilen.
  • Keine Handprobe. Klopfen, Anheben, Nachziehen, Feuchtemessung im Aufbau: alles Tätigkeiten, für die jemand hinauf muss.
  • Keine Innenräume. Estrich, Dachstuhl und Deckenuntersichten gehören zur Begehung, nicht zum Flug.
  • Keine Tragfähigkeitsaussage. Aus Bildern folgt keine statische Beurteilung.
  • Wärmebild ist kein Röntgenbild. Thermografie zeigt Temperaturunterschiede und braucht dafür einen Unterschied, also Sonneneinstrahlung, Auskühlung oder Heizbetrieb. Die Physik dahinter und ihre Grenzen sind unter Wärmebild-Drohne für PV beschrieben.
  • Wetter begrenzt das Zeitfenster. Starker Wind, Regen, Nebel und sehr tief stehende Sonne verschieben den Termin. Das ist ein Planungsthema, kein Verhandlungsthema.
  • Spiegelnde Flächen sind schwierig. Blanke Blechdächer, Glasflächen und nasse Bereiche liefern je nach Blickwinkel andere Bildinhalte, was die photogrammetrische Auswertung stört. Die vollständige Liste dieser Grenzen steht unter Photogrammetrie.

Vom Bild zum Befund

Ein Einfamilienhaus ergibt je nach Grösse und Dachform typischerweise einige hundert Bilder, ein Gewerbedach deutlich mehr. Aus diesem Material entsteht die eigentliche Lieferung in drei Schritten: vollständige Sichtung aller Aufnahmen, Markierung jeder Auffälligkeit mit Position am Objekt, und Sortierung nach Dringlichkeit von «beobachten» über «prüfen» bis «zeitnah prüfen lassen».

Jede Auffälligkeit bekommt ein Bild und eine Lage, damit Ihre Dachdeckerin oder Ihr Gutachter am Objekt wiederfindet, worum es geht. Was daraus folgt, entscheidet die Fachkraft, nicht die Kamera.

Wann sich das messbare 3D-Modell lohnt

Für eine reine Sichtkontrolle genügen Bilder. Ein georeferenziertes Modell mit Orthofoto lohnt sich, sobald Sie Masse brauchen: Dachflächen für eine Offerte, Sanierungs- und Belegungsplanung, Beweissicherung nach einem Ereignis oder ein Vorher-Nachher-Vergleich. Mit RTK und ohne Bodenpasspunkte erwarten wir in der Lage 2 bis 5 cm; für die Höhe braucht es Passpunkte. Für eine amtliche Vermessung bleibt der patentierte Ingenieur-Geometer zuständig.

Recht, Nachbarn und Bewilligungen

Vier Punkte, die in der Schweiz zu jedem Dachflug gehören:

  • Registrierung. Registriert wird der Betreiber, nicht das einzelne Fluggerät und nicht die Pilotin. Wir sind beim BAZL registriert und haftpflichtversichert.
  • Luftraum und Zonen. Vor jedem Einsatz prüfen wir Flugbeschränkungsgebiete und den umgebenden Luftraum. In der Nähe von Flugplätzen oder in Kontrollzonen ist eine Freigabe der zuständigen Stelle nötig, und die kann auch ausbleiben. Das klären wir vor dem Termin, nicht am Termin.
  • Personen am Boden. Über Menschenansammlungen fliegen wir nicht, und Unbeteiligte überfliegen wir nicht. Praktisch heisst das: Bereiche unter der Flugbahn werden kurz freigehalten, und der Termin liegt idealerweise ausserhalb der Betriebs- oder Pausenzeiten.
  • Persönlichkeitsschutz. Ein Dachflug erfasst zwangsläufig auch Nachbarliegenschaften am Bildrand. Wir informieren die Nachbarschaft vorab, verwenden nur, was zum Auftrag gehört, und liefern nichts aus, was darüber hinausgeht. Der häufigste Reibungspunkt bei Dachinspektionen ist nicht die Technik, sondern eine nicht angekündigte Drohne über dem Garten nebenan.

Ein Beispiel aus einem echten Flug

Eine reine Routine-Dachkontrolle haben wir bisher nicht veröffentlicht. Was wir zeigen können, ist die Schadenaufnahme eines eingestürzten Bauernhofs im Mittelland vom 1. August 2026: eine andere Aufgabe, aber dieselbe Erfassung. Geflogen mit einer DJI Matrice 4E auf 50 Metern über Grund, 482 Fotos mit 89 Prozent Längs- und 79 Prozent Querüberlappung, rund sieben Minuten reine Flugzeit, georeferenziert per RTK ohne Bodenpasspunkte. Daraus entstand ein messbares 3D-Modell mit Orthofoto, in dem sich Distanzen, Flächen und Höhen nachträglich abgreifen lassen. Die Originaldaten liegen im Showcase.

Der Punkt daran: Die sieben Minuten Flugzeit sind die Spitze eines Arbeitstages aus Anfahrt, Sichtung, Missionsplanung, Flug und anschliessender Auswertung.

Was wir für eine Offerte brauchen

Adresse und Anzahl der Gebäude, Dachtyp und ungefähre Fläche, das gewünschte Ergebnis, also Befundliste oder zusätzlich ein messbares Modell, sowie die Angabe, ob Thermografie dazugehören soll. Für Inspektionen zählt vor allem die Anzahl und Komplexität der Objekte, weniger die reine Fläche. Den Rahmen rechnet Ihnen der Kalkulator unter Angebot aus; die Leistungsbeschreibung steht auf der Seite Drohneninspektion.

Häufige Fragen

Ersetzt eine Dachinspektion per Drohne das Gerüst?
Für die Zustandsaufnahme in der Regel ja, für die Arbeit nie. Die Drohne liefert die vollständige, dokumentierte Sicht auf jedes Dachfeld, ohne dass etwas aufgebaut werden muss. Sobald aber geklopft, geöffnet, gemessen oder repariert wird, braucht es weiterhin Zugang über Gerüst, Hubarbeitsbühne oder Seilzugang. Das Gerüst wird also nicht überflüssig, sondern später und gezielter aufgestellt: für die Reparatur, nicht für die Suche.
Was sieht die Drohne am Dach nicht?
Alles, was unter der Oberfläche liegt. Ein loser Ziegel, morsche Lattung, der Zustand der Unterspannbahn oder Feuchte im Aufbau ohne Temperaturunterschied sind von aussen nicht erkennbar. Auch die Unterseite von Vordächern, Hohlräume und der Innenraum bleiben verschlossen. Eine Wärmebildkamera zeigt Temperaturunterschiede, keine Schäden: Sie liefert Verdachtsstellen, die Ihre Fachkraft nachprüft.
Darf über meinem Grundstück und über dem der Nachbarn geflogen werden?
In der Regel ja, mit Auflagen. Wir sind als Betreiber beim BAZL registriert, sind haftpflichtversichert und prüfen Luftraum und Flugbeschränkungsgebiete vor jedem Einsatz. Über Menschenansammlungen fliegen wir nicht, und Unbeteiligte überfliegen wir nicht; deshalb stimmen wir Zeitpunkt und Absperrung mit Ihnen ab. Dazu kommt der Persönlichkeitsschutz: Nachbarn werden vorab informiert, und Aufnahmen, die nicht zum Auftrag gehören, liefern wir nicht aus.
Wie lange dauert eine Dachinspektion, und was bekomme ich geliefert?
Ein Einfamilienhaus dauert vor Ort eine halbe Stunde, ein Gewerbedach einen Vormittag; mehrere Gebäude an einem Termin entsprechend länger. Die Auswertung folgt danach, die Lieferung in der Regel innerhalb von ein bis zwei Wochen. Sie erhalten eine nach Dringlichkeit sortierte Befundliste mit Foto und Position je Auffälligkeit, alle Bilder in voller Auflösung und auf Wunsch ein georeferenziertes 3D-Modell mit Orthofoto.

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