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Was ist ein Orthofoto, und wann reicht es?

Orthofoto einfach erklärt: wie es aus Drohnenbildern entsteht, was Bodenauflösung und Genauigkeit bedeuten, wann es reicht und wann Sie ein 3D-Modell brauchen.

Veröffentlicht am · 6 Min. Lesezeit · von Markus Linke

Ein Orthofoto ist ein Luftbild, das so entzerrt wurde, dass es überall denselben Massstab hat. Sie können darin Distanzen und Flächen messen wie in einem Plan, sehen aber, was wirklich auf dem Gelände liegt: Wege, Haufwerke, Baugruben, Dachflächen, Leitungen. Für die meisten Aufgaben in Bau, Planung und Landwirtschaft ist das Orthofoto das Produkt, das am Ende auf dem Tisch liegt. Dieser Beitrag erklärt, wie es entsteht, was die Zahlen im Angebot bedeuten und wann Sie stattdessen ein 3D-Modell brauchen.

Orthofoto einer Deponie aus Drohnenaufnahmen: Zufahrtsstrasse, Betonplatz, Haufwerk aus Abbruchmaterial und Flussufer, senkrecht von oben und massstabsgetreu
Ausschnitt aus dem Orthofoto des Deponie-Flugs, in voller Auflösung aus dem Endergebnis. Die weissen Flächen am Rand sind Bereiche ohne Daten und zeigen die tatsächliche Abdeckung des Fluges.

Warum ein einzelnes Luftbild nicht reicht

Jedes Foto ist eine Zentralprojektion: Die Kamera schaut von einem Punkt aus auf das Gelände, und alles, was höher liegt, wird zum Bildrand hin nach aussen gekippt. Ein Kamin steht in der Bildmitte senkrecht, am Rand liegt er schräg. Distanzen stimmen deshalb nur in der Mitte und nur auf einer Ebene. Dazu kommt das Relief: Ein Hang, der zur Kamera zeigt, wirkt kürzer als er ist.

Ein Orthofoto beseitigt beide Effekte. Jeder Bildpunkt wird auf seine wahre Lage im Gelände zurückgerechnet, mit Hilfe eines Höhenmodells, das die Software aus denselben Bildern ableitet. Das Ergebnis ist eine orthogonale Projektion, also der Blick senkrecht von oben auf jeden einzelnen Punkt. Deshalb heisst es Orthofoto.

So entsteht ein Orthofoto aus Drohnenbildern

Die Drohne fliegt das Gelände in parallelen Bahnen ab und löst so oft aus, dass sich benachbarte Bilder stark überlappen — je nach Gelände 70 bis über 90 Prozent; beim Deponie-Flug unten waren es 92 Prozent längs und 85 Prozent quer. Aus einer Fläche von sieben Hektar werden so einige hundert Fotos; bei feinerer Auflösung oder bewegtem Gelände sind es schnell einige tausend. Dieselbe Stelle ist auf zehn oder mehr Bildern aus leicht unterschiedlichen Winkeln zu sehen, und genau darauf beruht die Photogrammetrie:

  1. Bildorientierung — Die Software findet in allen Bildern dieselben markanten Punkte und rechnet daraus, wo jede Kamera stand und wohin sie zeigte. Wie diese Schritte im Einzelnen ablaufen, steht im Beitrag Photogrammetrie.
  2. Punktwolke — Aus den Überlappungen entsteht für Millionen von Punkten eine Lage in drei Dimensionen. Bei der Deponie aus unserem Showcase waren es 384 Millionen Punkte.
  3. Höhenmodell — Aus der Punktwolke wird ein Oberflächenmodell (DSM, mit Bauten und Vegetation) und ein Geländemodell (DTM, nur der Boden).
  4. Orthofoto — Jedes Foto wird auf das Höhenmodell projiziert, die Bilder werden zu einem nahtlosen Mosaik zusammengesetzt und im Landeskoordinatensystem abgelegt.

Die Rechenarbeit läuft bei uns auf eigener Hardware und ist im Preis enthalten. Sie bekommen das fertige Produkt, nicht Rohbilder.

Bodenauflösung: was die Zahl im Angebot bedeutet

Die Bodenauflösung (englisch GSD, Ground Sampling Distance) sagt, wie gross ein Pixel im Gelände ist. Bei 1.6 cm Bodenauflösung entspricht ein Bildpunkt einem Quadrat von 1.6 mal 1.6 Zentimetern am Boden. Sie hängt von der Flughöhe und der Kamera ab: tiefer fliegen heisst feiner auflösen, aber mehr Bilder und mehr Flugzeit.

Wir fliegen standardmässig bei 1 bis 3 cm Bodenauflösung. Das reicht, um Randsteine, Schachtdeckel und Markierungen zu erkennen; deutliche Risse im Belag sind bei gutem Licht und Kontrast sichtbar, für die Beurteilung von Schäden bleibt aber die Nahaufnahme das richtige Werkzeug. Für eine Flächenübersicht von Landwirtschaftsland oder Gemeindegebiet genügen 5 cm, dafür ist die Fläche schneller geflogen. Feiner als 1 cm braucht es nur, wenn Sie einzelne Bauteile im Detail beurteilen wollen, und dann ist meistens eine Drohneninspektion mit Schrägaufnahmen das bessere Werkzeug.

Genauigkeit: Auflösung ist nicht Lagegenauigkeit

Ein häufiges Missverständnis: Eine feine Bodenauflösung bedeutet nicht automatisch, dass das Orthofoto auch an der richtigen Stelle liegt. Die Auflösung beschreibt, wie viel Detail Sie sehen, die Lagegenauigkeit, wie weit ein Punkt im Orthofoto von seiner wahren Position in Landeskoordinaten abweicht.

Die Lagegenauigkeit kommt aus der Georeferenzierung. Unsere Drohnen tragen einen RTK-Empfänger, der die Position jedes Bildes auf wenige Zentimeter bestimmt; das ist die Genauigkeit der Kamerastandorte, nicht automatisch die des fertigen Orthofotos. Für die RTK-Stufe ohne Passpunkte sichern wir im Angebot ±5 cm in der Lage und ±10 cm in der Höhe zu. Der Verarbeitungsbericht des Deponie-Flugs unten nennt rund 3 cm absolut — der Erwartungswert bei RTK-Fix, nicht das Ergebnis einer unabhängigen Kontrolle, denn ohne Passpunkte gab es auch keine Kontrollpunkte. Wer garantierte ±2 cm in der Lage und ±3 cm in der Höhe braucht, bucht die Stufe mit Passpunkten: Wir messen sie mit GNSS-RTK ein und legen zusätzlich Kontrollpunkte, gegen die wir das fertige Orthofoto prüfen. Die Abweichungen stehen dann im Bericht.

Als Faustregel: Für Bestandesaufnahme, Baufortschritt und Flächenausmass reicht die RTK-Stufe. Für Ausführungsplanung mit engen Toleranzen nehmen Sie die Stufe mit Passpunkten. Für amtliche Vermessung, Grenzfragen oder Absteckungen brauchen Sie den Geometer; das Orthofoto ist dann seine Arbeitsgrundlage, nicht sein Ersatz.

Wann das Orthofoto reicht

  • Bestandesaufnahme vor Planung oder Umbau — Was steht wo, wie gross sind die Flächen, wo laufen Wege und Leitungen.
  • Baufortschritt — Ein Flug pro Woche oder Monat, dieselbe Fläche, direkt vergleichbar.
  • Ausmass von Flächen — Belag, Rasen, Dachflächen, Parkplätze, alles im Orthofoto messbar.
  • Landwirtschaft und Gemeinden — Parzellen, Wege, Bäume, Schäden nach Unwetter.
  • Dokumentation und Beweissicherung — Zustand zu einem Stichtag, georeferenziert und archivierbar.

Wann Sie mehr brauchen

Das Orthofoto ist flach. Sobald die dritte Dimension zählt, kommen die anderen Produkte desselben Flugs ins Spiel:

  • Volumen von Haufwerk, Aushub oder Deponie: dafür braucht es das Geländemodell, siehe Volumenberechnung.
  • Höhen und Neigungen von Gelände oder Dach: Geländemodell oder Oberflächenmodell.
  • Fassaden und Unterseiten: Ein Orthofoto zeigt nur, was von oben sichtbar ist. Für Fassaden braucht es Schrägbilder und ein 3D-Modell.
  • Planung in 3D: Das texturierte 3D-Modell oder die Punktwolke, die Sie in CAD und BIM weiterverwenden.

Orthofoto, Geländemodell, Punktwolke und das 3D-Modell von oben entstehen aus denselben senkrechten Bildern: Wenn Sie unsicher sind, ob das Orthofoto reicht, kosten diese Produkte Rechenzeit, keinen zweiten Einsatz. Fassaden und Unterseiten sind die Ausnahme: Dafür braucht es zusätzliche Schrägaufnahmen, die wir im selben Einsatz mitfliegen, wenn Sie es bei der Anfrage angeben.

Beispiel: Deponie mit 7.0 Hektar

Eine aktive Deponie im Mittelland, geflogen am 1. August 2026 mit einer DJI Matrice 4E: 443 Fotos in sieben Minuten Flugzeit, 1.6 cm Bodenauflösung, Georeferenzierung per RTK ohne Passpunkte, im Verarbeitungsbericht rund 3 cm absolut. Daraus entstanden Orthofoto, Punktwolke, Gelände- und Oberflächenmodell und das 3D-Modell. Im Showcase können Sie das Orthofoto im Browser öffnen und selbst darin messen.

Was Sie bekommen

Das Orthofoto liefern wir als GeoTIFF im Landeskoordinatensystem LV95, damit es in QGIS, ArcGIS, AutoCAD Map und jedem GIS ohne Umrechnung an der richtigen Stelle liegt. Auf Wunsch zusätzlich als Kartenkacheln für den Browser oder als Ebene für Ihr bestehendes Projekt; ein PDF-Plan mit Massstabsleiste ist projektabhängig auf Anfrage möglich. Lieferung in der Regel innerhalb einer Woche nach dem Flug.

Wie ein Auftrag abläuft und was er kostet, steht auf der Seite Drohnenvermessung; den Preisrahmen für Ihre Fläche rechnet der Kalkulator in zwei Minuten.

Häufige Fragen

Ist ein Orthofoto dasselbe wie ein Luftbild?
Nein. Ein Luftbild ist ein einzelnes Foto mit perspektivischer Verzerrung: Gebäude kippen zum Rand hin, Distanzen stimmen nur in der Bildmitte ungefähr. Ein Orthofoto ist aus vielen Bildern gerechnet, entzerrt und georeferenziert, damit Sie darin messen können wie in einem Plan.
Welche Bodenauflösung brauche ich?
Für Bauplanung, Ausmass und Bestandesaufnahme reichen 1 bis 3 cm pro Pixel, das ist der Bereich, in dem wir standardmässig fliegen. Für Flächenübersichten von Landwirtschaft oder Gemeinden genügen 5 cm. Feiner als 1 cm braucht es nur für Detailaufnahmen einzelner Bauteile.
Kann ich im Orthofoto Höhen messen?
Nein, das Orthofoto ist eine zweidimensionale Karte. Höhen, Volumen und Neigungen kommen aus dem Geländemodell oder dem 3D-Modell, die beim selben Flug mitentstehen.
In welchem Format bekomme ich das Orthofoto?
Als GeoTIFF im Schweizer Landeskoordinatensystem LV95, auf Wunsch zusätzlich als Kartenkacheln für den Browser; ein PDF-Plan ist projektabhängig auf Anfrage möglich. Das GeoTIFF öffnen Sie in QGIS, ArcGIS, AutoCAD Map oder jedem GIS.

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Auch verfügbar auf: EN, FR, IT

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