Wissen · Vermessung
Was kostet eine Drohnenvermessung?
Woraus sich der Preis zusammensetzt: Flugtage, Vorbereitung, Passpunkte, Auswertung, Anfahrt und Vorlaufzeit — und an welchen Schwellen er springt.
Veröffentlicht am · 7 Min. Lesezeit · von Markus Linke
«Kommt darauf an» ist die übliche Antwort auf diese Frage, und sie stimmt sogar — brauchbar ist sie trotzdem nicht. Dieser Beitrag legt offen, aus welchen Positionen sich ein Angebot für eine Drohnenvermessung zusammensetzt, welche Ihrer Angaben welche Position auslöst und an welchen Stellen der Preis springt, statt gleichmässig mit der Fläche zu wachsen. Die Beträge selbst stehen bewusst nicht hier, sondern im Angebots-Kalkulator: Dort werden sie aus denselben Regeln gerechnet, die dieser Beitrag beschreibt, und bleiben damit aktuell.
Der Preis besteht aus Tagen, nicht aus Hektaren
Abgerechnet werden Einsatztage und Auswertungsaufwand. Die Fläche taucht im Angebot gar nicht als Position auf — sie bestimmt nur, wie viele Tage daraus werden und wie viele Passpunkte nötig sind. Das erklärt eine Beobachtung, die auf den ersten Blick unlogisch wirkt: Eine halbe Hektare Baustelle mit vier einzeln zu umfliegenden Objekten kann aufwendiger sein als ein fünf Hektaren grosses Feld, das in einer einzigen Rasterlinie abgeflogen wird.
Die Umfangsklassen und was sie auslösen
Der Kalkulator arbeitet mit Umfangsklassen statt mit einer Formel auf die Quadratmeter. Einzelnes Gebäude bis 0.1 Hektare, Grundstück bis 1 Hektare, Bauernhof von 1 bis 5 Hektaren sowie Feld und Gewerbeareal von 5 bis 30 Hektaren laufen jeweils als ein Flugtag. Ein Golfplatz von 30 bis 60 Hektaren bringt einen zweiten Flugtag und zusätzlich einen Vorbereitungstag für die Rekognoszierung mit. Über 60 Hektaren rechnet der Kalkulator nicht mehr automatisch, sondern leitet ins Gespräch — bei dieser Grösse hängt der Aufwand zu stark am Gelände, als dass eine Klasse ihn abbilden könnte.
Bei Inspektionen zählt nicht die Fläche, sondern die Anzahl der Objekte: ein Objekt und zwei bis fünf Objekte gelten als ein Einsatztag, ab sechs Objekten werden es zwei.
Die Positionen im Einzelnen
Jede Position steht im Angebot als eigene Zeile mit Menge und Ansatz. Was nicht anfällt, taucht auch nicht auf.
| Position | Wodurch sie ausgelöst wird | |---|---| | Flugtag | je Einsatztag, abgeleitet aus der Umfangsklasse | | Vorbereitungs- und Vermessungstag | nur bei Umfangsklassen, die eine Rekognoszierung vor Ort verlangen | | Passpunkte einmessen | nur bei der höchsten Genauigkeitsstufe | | Auswertung | je nach gewünschtem Datensatz, in zwei Stufen | | Spotter | wenn die Einsatzsituation eine zweite Person am Boden verlangt | | Anfahrt | je Besuch, nach Kilometern oder als Mindestpauschale | | Spesenpauschale | ab rund 100 Kilometern Distanz, je Einsatztag | | Übernachtung | ab rund 150 Kilometern Distanz, je Nacht |
Die Auswertung ist eine eigene Position und keine Selbstverständlichkeit: Wer die geotaggten Bilder selbst weiterverarbeitet oder das eigene Vermessungsbüro damit beauftragt, wählt sie ab. Wer ein Orthofoto und eine Punktwolke will, wählt die Standardstufe; wer zusätzlich ein texturiertes 3D-Modell und klassifizierte Bodenpunkte für ein Geländemodell braucht, die höhere. Was die beiden Stufen inhaltlich unterscheidet, steht im Beitrag Was ist ein Orthofoto.
Passpunkte: die Position, die Genauigkeit kauft
Passpunkte werden nur berechnet, wenn Sie die höchste Genauigkeitsstufe wählen. Bei der Stufe darunter arbeitet die Drohne mit Echtzeit-Korrektursignal und ohne eingemessene Bodenpunkte; für rein visuelle Aufnahmen entfällt die Position ganz. Bezahlt wird sie also nur dort, wo sie gebraucht wird.
Die Anzahl steigt mit der Fläche, von drei Punkten beim einzelnen Gebäude bis zu vierzehn beim Golfplatz. Und hier liegt eine der Schwellen, an denen der Preis springt statt zu gleiten: Ab zehn Punkten wechselt die Position vom Stückpreis in eine Pauschale, weil das Einmessen dann in einem Zug über die Fläche läuft und nicht mehr linear mit jedem weiteren Punkt wächst. Was die Georeferenzierung an Genauigkeit überhaupt hergibt und wo ihre Grenzen liegen, behandelt der Beitrag Volumen aus Drohnendaten berechnen.
Anfahrt, Spesen, Übernachtung: die Positionen von der Landkarte
Die Anfahrt rechnet Hin- und Rückweg je Besuch mit einem Kilometeransatz. Bei kurzen Wegen greift stattdessen eine Mindestpauschale je Besuch — und zwar je Besuch, nicht je Auftrag, weil zweimal ausrücken auch zweimal Fahrzeit, Parkieren und Rüstzeit bedeutet. In diesem Fall steht im Angebot ausdrücklich «Mindestpauschale» und keine geschönte Kilometerrechnung, die zufällig auf denselben Betrag käme.
Ab rund 100 Kilometern kommt eine Spesenpauschale je Einsatztag dazu, ab rund 150 Kilometern in der Regel eine Übernachtung; die Zahl der Nächte folgt aus Flug- und Vorbereitungstagen. Wichtig für das Verständnis der Rechnung: Die Anfahrt ist von jedem Zuschlag und jedem Rabatt ausgenommen. Sie ist echte Auslage, keine Marge, und lässt sich deshalb weder aufschlagen noch verbilligen.
Vorlaufzeit ist der grösste Hebel — ausser bei Solar
Bei Vermessung und Inspektion bewegt die Terminwahl den Preis am stärksten, und sie ist die einzige Angabe, die nichts mit dem Objekt zu tun hat. Ein Termin in weniger als sieben Tagen bedeutet, Kalender und Gerät um das Projekt herum neu zu ordnen, und kostet deshalb einen Zuschlag. Ein Vorlauf von mehr als vier Wochen erlaubt uns umgekehrt, den Tag nach Wetter und Auslastung zu wählen; dieser Effizienzgewinn geht als Rabatt zurück. Dazwischen, im Normalbereich von einer bis vier Wochen, passiert nichts. Für die Solar-Thermografie gilt dieser Hebel nicht: dort rechnet der Kalkulator weder Zuschlag noch Rabatt, weil der Termin ohnehin im Einstrahlungsfenster liegen muss und sich nicht frei verschieben lässt.
Beides wirkt nur auf den Leistungsanteil, nie auf die Anfahrt. Und die Voreinstellung im Kalkulator ist bewusst der flexible Termin: Für Mapping-Flüge ist gutes Wetter das entscheidende Kriterium, und ein früher Zwang zu einem festen Datum nützt am Ende keiner Seite.
Solar-Thermografie rechnet anders
Für kleinere Photovoltaikanlagen — Einfamilienhaus und Halle — gilt ein Festpreis nach Anlagengrösse statt einer Tagesrechnung, gestaffelt danach, ob Sie die Thermalbilder selbst beurteilen oder einen Befundbericht wollen. Ab der Grössenordnung Grossanlage ist es kein Pauschaltarif mehr: dort rechnet der Kalkulator einen Vorbereitungsbesuch mit Passpunkten, einen vollen Flugtag, die aufwendigere Auswertung und zwei Anfahrten einzeln zusammen, beim Solarpark zusätzlich linear nach Anlagenleistung skaliert.
Oberhalb von zwei Megawatt Modulleistung skaliert der Aufwand linear mit der Anlagenleistung, weil Vorbereitung, Flugzeit und Auswertung direkt daran hängen. Über fünf Megawatt sind mehrere Flugtage nötig; dort endet die automatische Rechnung und es beginnt das Gespräch. Ablauf und Umfang stehen auf der Seite Solar-Thermografie.
Was der Kalkulator wissen muss
Sechs bis acht Angaben genügen für einen Richtwert: Projekttyp, Ort, Umfangsklasse, Genauigkeitsstufe beziehungsweise Solar-Variante, gewünschte Auswertung, Terminwunsch, dazu bei Bedarf Spotter und Luftbilder für die eigene Kommunikation. Der Fragebogen ist kurz, weil jede Frage genau eine Position auslöst. Eine Frage ohne Wirkung auf den Preis steht nicht darin.
Warum Sie eine Spanne sehen, und wann nicht
Bei Vermessung und Inspektion nennt der Kalkulator einen Richtwert mit einer Spanne von rund zehn Prozent nach oben und unten. Diese Spanne ist keine Verhandlungsmasse, sondern die ehrliche Beschreibung dessen, was sich am Einsatztag noch verschieben kann: Rüstzeit, Zugänglichkeit, Wetterfenster, ein zweiter Anlauf für eine verdeckte Ecke. Bei der Solar-Thermografie entfällt die Spanne, dort steht ein Festpreis.
In beiden Fällen gilt: Der Wert aus dem Kalkulator ist ein Richtwert, keine Offerte. Das verbindliche Angebot kommt schriftlich, mit jeder Position einzeln aufgeführt.
Wann sich ein Flug nicht rechnet
Bei sehr kleinen Objekten machen Anfahrt, Rüstzeit und Auswertung den grössten Teil des Preises aus — der Flug selbst ist in einer halben Stunde erledigt. In dieser Lage lohnt es sich, mehrere Objekte auf einen Einsatztag zu legen, etwa mehrere Liegenschaften desselben Eigentümers oder eine Runde mit der Nachbarschaft. Aus zwei Aufträgen mit je einer Anfahrt wird so ein Auftrag mit einer.
Und eine Grenze ist keine Preisfrage: Bei Grenzfragen und bei Dokumenten der amtlichen Vermessung ist der patentierte Ingenieur-Geometer zuständig. Unsere Daten sind dann seine Arbeitsgrundlage und nicht sein Ersatz.
Was am Ende im Angebot steht
Jede Position mit Menge und Ansatz, die Anfahrt getrennt ausgewiesen, alle Beträge netto zuzüglich Mehrwertsteuer — und dazu ein Leistungsumfang, der auch benennt, was nicht enthalten ist. Diese letzte Liste ist die nützlichere: Sie verhindert die Enttäuschung nach der Lieferung.
Wie ein Vermessungsauftrag abläuft, steht auf der Seite Drohnenvermessung; den Richtwert für Ihr eigenes Projekt rechnen Sie im Angebots-Kalkulator.
Häufige Fragen
- Warum kostet ein kleines Dach fast so viel wie ein grosses Grundstück?
- Weil der Preis aus Einsatztagen und Auswertungsaufwand entsteht und beides bei kleinen Objekten kaum kleiner wird. Anfahrt, Rüstzeit, Missionsplanung, Datensicherung und Verarbeitung fallen an, ob 300 Quadratmeter oder drei Hektaren geflogen werden — die reine Flugzeit ist der kleinste Teil des Tages. Deutlich günstiger wird es erst, wenn mehrere Objekte auf denselben Einsatztag fallen.
- Womit lässt sich der Preis am wirksamsten senken?
- Mit Vorlaufzeit — allerdings nur bei Vermessung und Inspektion. Wer den Termin dort nicht auf eine bestimmte Woche festlegen muss, gibt uns die Wahl des Tages nach Wetter und Auslastung, und dieser Effizienzgewinn geht in den Preis zurück; kurzfristige Termine wirken umgekehrt. Die Solar-Thermografie kennt diesen Auf- und Abschlag nicht, weil ihr Termin ohnehin vom Einstrahlungsfenster bestimmt wird. Der zweite Hebel ist die Genauigkeitsstufe: Passpunkte kosten Zeit vor Ort und lohnen sich nur, wenn die Vermessungsgenauigkeit auch gebraucht wird.
- Was steckt in der Anfahrt, und warum wird sie nie rabattiert?
- Hin- und Rückweg je Besuch nach Kilometern; bei kurzen Wegen greift stattdessen eine Mindestpauschale je Besuch, die Fahrzeit, Parkieren und das Rüsten des Fahrzeugs abbildet. Ab rund 100 Kilometern kommt eine Spesenpauschale je Einsatztag dazu, ab rund 150 Kilometern in der Regel eine Übernachtung. Die Anfahrt bleibt von Zuschlag und Rabatt unberührt, weil sie echte Auslage ist und keine Marge.
- Ist der Wert aus dem Kalkulator verbindlich?
- Nein, er ist ein Richtwert aus Ihren eigenen Angaben. Bei Vermessung und Inspektion sehen Sie deshalb eine Spanne von rund zehn Prozent nach oben und unten, bei der Solar-Thermografie dagegen einen Festpreis. Das verbindliche Angebot bestätigen wir schriftlich, mit jeder Position einzeln ausgewiesen.